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23:24 Uhr

Das Schreiben an sich ist doch eine merkwürdige Sache. Wir wiederholen dieselben 26 Zeichen immer wieder und immer wieder, in dem Versuch, unsere Welt anderen offen zu legen. Niemand wird damit reich, nicht einmal die, die es studiert haben. Ich schon gar nicht. Und doch ist es wie atmen, eine Notwendigkeit. Selbst völlig uninspiriert, den Kopf leer und viel zu voll, kann ich nicht davon lassen, selbst wenn ich wollte. Ich weiß, wie ich schreiben will, doch nicht was. Wann wusste ich das letzte Mal, was ich schreiben will? Vor vier Jahren. Die Geschichte entstand in meinem Kopf und fand ihren Weg auf meine Tastatur und sie wuchs und ich tippte und sie wuchs und ich tippte und sie wuchs und dehnte sich aus und hing mich ab. Seitdem, wenig. Sicher, die eine oder andere Geschichte gab es, doch die Figuren schienen schon beim Schreiben zu verblassen, so nichtssagend waren sie. Das Was gibt es gerade nicht, aber es wird sicher wiederkommen, wenn auch nicht so übersprudelnd seinen Weg durch meine Gehirngänge bahnend, wie früher. Früher, als mich die Inspiration an jeder Ecke einfing.

Das Wie. Wie soll das Wie sein? Laut, abartig, berührend und definitiv nicht schön. Nichts Glattgebügeltes, keine moderne Poesie, bei der die Zeichnungen neben den Gedichten die Menschen mehr anziehen, als die Worte selbst. Keine gefällige Geschichte, die nur diejenigen lesen, die ein fehlendes Happy End nicht verkraften. Dann wiederum… Sagt man nicht, junge Autoren sollten nicht, unter gar keinen Umständen, jemals das Ziel verfolgen, etwas Neues, nie Dagewesenes zu schreiben und alles anders zu machen, als ihre Vorgänger? Etwas, das mit dem Vorsatz, anders zu sein, geschaffen wird, ist wohl dazu verdammt, schlecht zu sein und prätentiös. Denn würde der Schöpfer eines Werkes nicht davon ausgehen, dass alles Vorangegangene schlecht war und anders daher nicht nur besser, sondern einzig richtig, ja, makellos sei und damit nicht dem Drang zu schaffen nachgehen, als viel mehr dem Wunsch nach Ruhm und daher nicht seine Seele sprechen lassen, als eher seine Eitelkeit? Und wie könnte etwas, das aus Eitelkeit entsteht, Bestand haben?

Wofür erschaffen Menschen seit Jahrtausenden Kunst? Sie halten ihre Wirklichkeit fest, nicht zwangsweise das, was jeder sieht. Keiner weiß, was jeder sieht. Was ich sehe, ist die Projektion meiner Psyche. Der Künstler zeigt, wie er auf seine Welt blickt. Zugleich erstellt er ein Dokument für die Nachwelt. Welcher Epoche und welcher künstlerischen Strömung hat er angehört? Von wem wurde er beeinflusst, wen hat er inspiriert? In welchem politischen Klima hat er geschaffen? Wie bildet er die Gesellschaft ab? Als wie zuverlässig und akkurat ist seine Abbildung einzuschätzen?
Diese Fragen stellen wir uns, wenn wir uns mit den Werken anderer Künstler auseinandersetzen und von diesen Fragen ist es ratsam, sich freizumachen, möchte man selbst etwas kreieren, nicht unbedingt für andere, sich oder die Nachwelt, sondern weil man muss. Weil in einem ein Drängen ist, Welten zu erschaffen oder seine eigene zu filtern und widerzuspiegeln. Und das vielleicht ohne die Relevanz des Ganzen zu hinterfragen, solange es wahr ist.

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