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Was ich zum Gillette Werbespot loswerden möchte

Gillette hat vor 5 Tagen einen neuen Werbespot veröffentlicht und damit einen Shitstorm gigantischen Ausmaßes verursacht. Wer ihn noch nicht gesehen hat, hier ist er ⇗.

Wenn Männer sich angegriffen fühlen, reagieren sie extrem. Männer kollektiv als Sexisten an die Wand zu stellen, bewirkt vor allem, dass Männer, die bis dahin mit den Feminismus sympathisiert haben, sich von der Debatte abwenden. Für Frauen bedeutet es, dass Männer, die diesen Werbespot gesehen haben, uns in Zukunft noch weniger zuhören. Mein Dank dafür geht an die Werbeagentur Grey, die diesen Spot produziert hat und an diejenigen, die ihn bei Gillette intern verantworten.

Der Spot, wie allmählich auch die gesamte Sexismus-Debatte, spaltet Frauen und Männer in zwei Lager und stellt das Geschlecht über den Charakter und den Menschen selbst. Ihr schwachen Frauen da drüben, ihr wildernden Männer da hinten. Der Spot wird nichts daran ändern, dass mir freitagabends in der Bar von Fremden an den Hintern gepackt oder auf der Straße hinterher gerufen wird. Es gibt definitiv Männer, die vor Frauen aus Prinzip keinen Respekt haben. Bei diesen Männern wird beim Sehen einer Werbung bestimmt kein Umdenken vonstatten gehen, wahrscheinlich ist das Gegenteil der Fall.
Es ist, als würde ich auf Instagram “Nazis sind scheiße” in meine Story schreiben. Ich erreiche damit genau nichts, sondern schütte nur weiter den Berg an Selbstverständlichkeiten in meiner Filterblase auf. Die Leute, die mir folgen, sind erstens keine Nazis und würden zweitens, wenn sie welche wären, beim Lesen meiner Story nicht denken “Verdammt, ich bin ja echt scheiße, ab jetzt wähle ich links.”

Ich bin Feministin, hasse aber Männer nicht. Und soll ich mich schlecht fühlen, wenn ich mich bei einem Mann geborgen und beschützt fühle? Ich tue es nämlich.
Ich bin durchaus in der Lage, mich zu verteidigen und für mich selbst einzutreten.
Ich möchte nicht auf meinen Körper oder das Frau-Sein reduziert werden.
Ich will, dass mir derselbe Respekt wie allen anderen entgegengebracht wird.
Ich wünsche mir, dass Frauen nicht dafür sorgen müssen, dass sie nicht belästigt oder vergewaltigt werden, indem sie bestimmte Kleidung tragen oder nicht tragen und auf dem Heimweg bestimmte Wege meiden.
Kurzum: Ich will Gleichberechtigungen für mich und Frauen überall, in jedem Lebensbereich, weil ich es für selbstverständlich halte, dass kein Mensch schlechter oder besser ist, als der andere.

Dazu ein Ausschnitt aus einer Pressekonferenz zu “Mad Max: Fury Road”:
Journalist: “Tom, I’ll preface my remarks by saying that I have five sisters, a wife, a daughter and a mother, so I know what it’s like to be outgunned by estrogen. I just wanted to ask you guys, when you were reading the script, did you ever think ‘why are there all these women in here, I thought this was supposed to be a man’s movie?’”
Tom Hardy: “No. Not for one minute. That’s kind of obvious.”

Und was mich am allermeisten an der Kampagne ärgert:
Sie wäre vor zwei Jahren mutig gewesen.
Jetzt ist sie unerträglich plakativ und trägt nichts bei.