Blog

(Wie) verändert man die Welt?

Mein Weltbild wird von Tag zu Tag pessimistischer und ich immer unpolitischer. Ich, die immer in irgendeinem Browserfenster Spiegel Online offen hat und alles politisiert.

Aber ich halte die Welt im Moment einfach nicht aus. Wenn ich die aktuellen Schlagzeilen lese, zieht sich mein Herz zusammen und mir scheint alles so unendlich sinnlos. Wofür soll man sich denn noch einsetzen, wenn nichts funktioniert? 

Präsidenten kippen den Klimaschutz, um Gewinne zu machen. In Libyen sterben Menschen in Flüchtlingsgefängnissen, sponsored by EU. Tierarten sterben aus, die Meere werden wärmer, irgendwann wird der Golfstrom stehen bleiben, immer mehr Menschen werden vor den Folgen des Klimawandels flüchten und in den Städten ersticken wir an unserem eigenen Feinstaub, weil wir auf dem Weg zur Arbeit lieber dreimal so lange im Stau stehen, als wir mit der Bahn gebraucht hätten.

Mir geht so viel im Kopf herum, dass ich es nicht in Worte fassen kann und ich fühle mich manchmal wie gelähmt. Natürlich passiert auch Gutes, aber das scheint so klein, dass es das Schlechte nicht aufwiegen kann. Ich bin kein Fan des Schwarz-Weiß-Denkens und der Einteilung in Gut und Böse. Den Regenwald abzuholzen, um die Fläche wirtschaftlich zu nutzen, wirkt allerdings ziemlich böse. Kinder einzusperren, weil ihre Eltern illegale Einwanderer sind, ist unentschuldbar. Dass intelligente Tiere ohne Betäubung kastriert werden, scheint mir grausam.
Es gibt Momente, da bin ich überzeugt, wir leben in einer Dystopie.

Derzeit mache ich deswegen einen Bogen um Politik. Ich fühle einerseits eine Verpflichtung denen gegenüber, denen es schlecht geht, informiert zu bleiben, was in der Welt passiert, doch andererseits möchte ich mir auch das Recht herausnehmen, mich davon abzuschotten. Dass ich dazu in der Lage bin, ist ein großes Privileg. Diejenigen, die für ihre Rechte kämpfen müssen, können sich nicht einfach zurückziehen, wenn ihnen alles zu viel wird.
Politikverdrossenheit ist eigentlich nicht meine brand. Was Politik so spannend macht, ist in meinen Augen, dass sie uns immer und zu jeder Zeit betrifft. Selbst wer mit Politik nichts zu tun hat und nichts darüber weiß, wird davon beeinflusst.
Im Moment möchte ich mich nicht damit konfrontieren, die einzige Ausnahme waren die Midterms und Artikel im Spiegel, der Zeitschrift, nicht online.

Wie also bleibe ich eine Optimistin in einer pessimistischen Welt?

Heute Mittag habe ich für meine Kollegen und mich beim Burgerladen um die Ecke Mittagessen geholt und mir ist aufgefallen, dass ich die ganze Zeit grinsend durch die Gegend gelaufen bin. Ich hatte Musik auf den Ohren. Und es gibt doch so viel gute Musik und immer noch mehr zu entdecken! Ich habe niedliche Hunde gesehen, Männer in meinem Alter, die Bockspringen über Poller gemacht haben und bin mit einer großen Tüte voll leckerem Essen zur Arbeit zurück gelaufen. Und das alles hat mich glücklich gemacht und grinsen lassen. Es waren ich, das Viertel, das ich am liebsten mag, Menschen, die ihren eigenen Leben nachgehen und die Weltpolitik war mir völlig egal.

Ich habe gestern mal wieder American Beauty geguckt. Ich weiß, ich finde die Parallelen zwischen Kevin Spaceys Figur und ihm selbst auch unangenehm und kann nicht mehr sagen, dass er zu meinen Lieblingsschauspielern zählt. Viel spannender finde ich aber die Beziehung seiner Film-Tochter zu ihrem Nachbarn und dessen Sichtweise auf seine Umwelt, wegen genau der der Film immer noch zu meinen Favoriten gehört.

“But it’s hard to stay mad, when there’s so much beauty in the world.”

Das sagt Kevin Spacey, während seine Figur stirbt.

“Sometimes there’s so much beauty in the world, I feel like I can’t take it, and my heart is just going to cave in.”

sagt der Nachbar Ricky Fitts bereits viele Szenen vorher.

Der Film war genau der richtige, um etwas Licht in meine pessimistischen Gedankengänge zu bringen und mich vor allem daran zu erinnern, dass ich mich in Ricky Fitts’ Philosophie wiederfinde. Es gibt unheimlich viel Schönes. Zum Beispiel?
Regentropfen an Geländern, die in der Sonne regenbogenfarben glitzern.
Der Geruch aus Bäckereien, die noch selbst backen.
Süße Hunde, die vor Läden auf ihre Besitzer warten.
Analoge Fotos.
Alte Kinos mit neuen Soundanlagen.
Popcorngeruch.
Wenn Fremde einander die Tür aufhalten.
Wenn Fremde die Tür der Bahn aufhalten, damit jemand, der gerannt kommt, noch mitfahren kann.
Süße Babies in öffentlichen Verkehrsmitteln, die alle Mitreisenden in ihren Bann ziehen.
Ein Baby auf dem Arm zu halten.
Frisch geduscht ins neu bezogene Bett schlüpfen.
Klare Wintermorgende.
Der erste Morgen im Jahr, an dem man ohne Jacke aus dem Haus kann.
Seine Haustiere beobachten, die keine Ahnung haben, wie süß sie sind.
Nach einer langen Fahrt ans Meer aus dem Auto steigen und die salzige Luft riechen.
Durch raschelndes Herbstlaub schlurfen.
Perfekt zur Musik passende und auf die Musik geschnittene Filmszenen (s. “and IIIIII will aaaalways love yooouu” in Moulin Rouge oder auch “Find me” von Sigma ft. Birdy).
Lesen und auf einmal die friedliche Stille bemerken.
Im Sommer Auto fahren, Fenster unten, Musik laut und das Freiheit spüren.
Sommesonnenuntergänge über der Stadt.

Die Frage, die ich mir gestellt habe, war wie ich nicht in Pessimismus versinke und trotzdem verfolge, was in den Nachrichten vor sich geht. Wie der Millenial, der ich bin, habe ich “how to be an optimist” in die Pinterest-Suchleiste eingegeben.

“Be a bridge, not a gap.” 

war eines der Ergebnisse und meine Suche damit beendet. Ich würde mir diesen Spruch am liebsten auf die Hand tätowieren, damit ich ihn nicht mehr vergesse. Als 2015 die Flüchtlingskrise so allgegenwärtig war, war genau dieser Ansatz schon einmal meine Lösung. Damals habe ich mich ehrenamtlich für die Organisation KinderHelden e.V. engagiert und bin die Mentorin eines Mädchens gewesen, das mit seiner Familie hier in Deutschland auf die Bewilligung oder Ablehnung ihres Asylantrags gewartet hat. Eine Brücke sein, das ist das, wonach ich immer suche. Ich gehöre zu denen, die immer das Gefühl empfinden, getrieben zu sein. Ich muss immer etwas machen, ich muss immer schreiben. Da ist auch das Bedürfnis, etwas Sinnstiftendes zu tun. Ich mache meine Arbeit ausgesprochen gerne und schätze meinen Arbeitsplatz über alle Maßen, ebenso die Menschen dort. Das Gefühl, mich auf eine Art in die Gesellschaft einzubringen, die denen nützt, die Unterstützung brauchen, lässt mich dennoch nicht los.

Im Moment weiß ich nicht, was ich neben der Arbeit noch tun könnte und trotzdem noch Zeit für Haushalt, Freunde, Familie und mich selbst zu haben. Was ich machen kann, ist spenden. Meine Familie und ich haben beschlossen, uns zu Weihnachten gegenseitig etwas für den Maximalbetrag von 30 € zu schenken und stattdessen mehr zu spenden. Daher möchte ich an der Stelle gerne unbezahlte Werbung machen, für den Kältebus vom Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart. Dieser hilft in den Wintermonaten Menschen, die auf der Straße leben mit Decken, Schlafsäcken, Snacks, heißem Tee und, und, und. Der Kältebus hat für diejenigen, die nicht einfach nur Geld spenden möchten, eine Amazon Wunschliste, auf der alles aufgelistet ist, was so benötigt wird, von 5 € bis 50 € teuren Artikeln.

Die Wunschliste:
www.amazon.de/registry/wishlist/(…)

Die Adresse:
DRK Stuttgart, Reitzensteinstraße 9, 70190 Stuttgart

Falls jemand Geld spenden möchte:
IBAN: DE05600501010001130113
BIC: SOLADEST600

Website des Kältebusses Stuttgart:
www.drk-stuttgart.de/angebote/existenzsichernde-hilfe/kaeltebus.html

Worauf ich hinaus will ist, dass der erste Schritt sein kann, sich eines Problems anzunehmen zu überlegen, wie man dieses bearbeiten kann. Wer aktiv werden möchte, aber nicht weiß, wie, wird überwältigt sein, ob der Vielzahl von Problemen, mit denen wir uns konfrontiert sehen.
Menschen, die sich leidenschaftlich engagieren, sind viel wert, da sie die Energie haben, andere anzustecken und zu mobilisieren.

Von alleine wird nichts besser werden, nur wir selbst können besser werden. Ich möchte respektvoll und menschlich handeln und nutzen, dass ich eine gute Bildung und ein privilegiertes Leben habe. Und du?